Naturschutz is ka gmahde Wies’n! Das weiß niemand besser als Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich, der größten heimischen Vogelschutzorganisation. Das Jurymitglied vom 100.000 Euro dotierten Naturschutzpreis Die Brennnessel über die Gefahren für seine gefiederten Schützlinge, welchen Beitrag man einfach selber zum Erhalt unserer Vielfalt leisten kann und weshalb Feuchtgebiete alles andere als eine „trockene“ Angelegenheit sind:

 

“Ein Leben für die Vögel” würde man wohl Ihre Biografie betiteln. Gibt es einen speziellen Moment in Ihrem Leben, in dem die Liebe zu den Vögeln geweckt wurde?

Einen ganz speziellen Moment nicht, weil ich ja schon seit Kindesalter Vogelbeobachtung betreibe. Mein Vater war bereits Hobby-Ornithologe und es wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Als 3-Jähriger war ich schon viel in Deutschland und Ungarn unterwegs, um die Vögel zu erkunden.

 

Illegale Abschüsse, Vergiftungen oder die konventionelle Landwirtschaft gefährden die gefiederte Artenvielfalt: Wie rüstet sich BirdLife Österreich gegen diese Gefahren?

BirdLife Österreich versucht v.a. in der Landwirtschaft über die Gremien, in denen wir sitzen, die Politik für das Wohl der Vögel zu beeinflussen. Auf der lokalen Ebene arbeiten wir daran, gemeinsam mit den Bauern für den Schutz der Vögel aktiv zu werden. Auch bei den illegalen Greifvogelverfolgungen möchten wir die Bevölkerung darüber in Kenntnis setzen – aber auch einige Jäger überzeugen, dass es nicht sinnvoll ist, sie abzuschießen. Wir zeigen die Täter außerdem an. Obwohl es meist sehr schwer zu beweisen ist, wer den Vogel vergiftet oder abgeschossen hat.

Wir hinterfragen zudem das aktuelle System mit den JagdaufseherInnen, weil es offensichtlich nicht funktioniert und arbeiten an Lösungen. Auch bei der Problematik mit der konventionellen Landwirtschaft – als Hauptursache für den aktuellen Vogelschwund – informieren wir die Bevölkerung und Politik über unsere Beobachtungen. Wir können uns sehr auf unsere aktive Community verlassen, die bei Vogelzählungen mitmacht, “im Feld” unterwegs ist und beispielsweise Giftfallen meldet.

 

Wie kann jede/r im Alltag einen einfachen Beitrag leisten, um die Vögel zu schützen?

Man kann über Naturschutzpreise wie Die Brennnessel einreichen, dass man zum Beispiel die letzte Streuobstwiese im Ort retten möchte oder Brachflächen erhalten bzw. generell die Landschaft pflegen will. Wenn man einen Garten hat, sollte man ihn vogelfreundlich gestalten – sprich ohne Thujen und grünen Rasen, sondern mit heimischen Gehölzen und Wildkräutern. Vielleicht auch die alten Bäume stehen lassen und nicht jedes Totholz entfernen. Selbstverständlich kann man auch BirdLife Österreich unterstützen.

Dann könnte man natürlich auch die Bauern in der Umgebung zum Umdenken überzeugen. Mir fällt da konkret ein Beispiel eines BirdLife Mitglieds aus dem Lungau ein, der auf Eigeninitiative angefangen hat, Braunkehlchenflächen zu sichern. Am Schluss waren es 200 bis 300 Bauern, die aufgrund seines Engagements bei ÖPUL unter Vertrag waren. Diesen Enthusiasmus und Durchhaltevermögen – aber auch Zeit – muss man aber einfach haben, um so große Erfolge zu erzielen.

Hier geht’s zum gesamten Interview mit Gábor Wichmann der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich und Jurymitglied beim Naturschutzpreis „Die Brennnessel. Naturschutz is ka gmahde Wies’n“

Weitere Informationen zu Österreichs größtem Naturschutzpreis „Die Brennnessel“ findest du hier.

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